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Gedanken zur Langsamkeit

Langsam und schnell sind keine absoluten Bezeichnungen, sondern immer auf menschliche Wahrnehmung bezogen.Konflikte entstehen aus unterschiedlichen Interessen und ist meines Erachtens ein typisch menschliches Thema, nicht nur unserer heutigen Zeit, "Schnell" ordne ich dem Bereich - Not--, -Angriff-, Verteidigen- usw zu, ansonsten ist kaum Schnelligkeit nötig. „Eile ist der schlechteste Geselle des Handwerkers" heißt ein Sprichwor. Schnelligkeit ist zielgerichtet, und kommt immer da zum Einsatz, wo Not am Mann ist, wo man alles nicht zur Situation gebörige weglassen muß. Sprich, man muß werten und auswählen zwischen lebenswichtig und riskant, nötig und unnötig, nützlich und unnützlich usw. Wird Schnelligkeit zum Lebensprinzip, befindet man sich eigentlich in einer ständigen Notsituation, Anspannung, mit all den dazugehörigen Nebenerscheinungen, wie Hormonaus-schüttung, veränderte Atmung, Defizit an sinnlicher Wahrnehmung usw. Die Schnell-strasse des ,Zeitnutzens'' der„Zeit-ist-Geid-Gesellschaft" hat meist keine Park-möglichkeiten. Defizite an sinnlicher Wahrnehmung werden nicht mit „sich Zeit nehmen" gedeckt, sondern durch Konsum. Fernsehen, laute Diskomusik, Autofahren, Essengehen, Abenteuerreisen, der Stellenwert von Sex usw sind praktisch systembedingt (eine solche Gesellschaft brauch sich über Gewaltpotentiai nicht zu wundern, es ist eine Konsequenz ). Unsere Sinnesorgane sind die Fenster zur Welt. Aus dem schier unendlichen Frequenzspektrum nehmen wir Menschen zu dem nur einen kleinen Teil und dennoch als fünf unterschiedliche Aspekte wahr ( fünf Sinne ). Da wir auch nicht alles gleichzeitig sehen, hören, fühlen usw können, muß das Gehirn ständig auswählen und Reizungen favorisieren, andere vernachlässigen oder nach-einander registrieren. Aus dem Rauschen der permanenten Sinnesreizungen werden bestimmte Informationen zu Mustern zusammengefasst. Durch kulturspezifische Erfahrungen werden weitere Muster angelegt, wodurch z.B. aus Geräuschen erst Sprache und Musik wird. Für Interpretation von Wahrnehmung ist es nötig Muster zu suchen und zu erkennen, und manchmal sieht der Mensch auch Muster, wo gar keine sind ( z.B. Sternbilder), es stellt sich aber die Frage, wie weit Einzelreize von einander entfernt sein dürfen, damit noch ein Muster erkannt wird. Ist die Geschwindigkeit zu hoch, nimmt man nur den Fluß wahr ( z.B. Daumenkino ), ist der Abstand zu groß oder kennt man das Muster noch nicht, stellt man keinen Zusammenhang her.( es gibt japanische Musik, die für unsere „westlichen" Ohren aus Scheppern und Krachen besteht, ohne einen für uns erkennbaren Zusammenhang. Spielt man diese Klänge mit erhöhter Geschwindigkeit, wird aufeinmal Rhythmus und Melodie erkennbar. Oder John Cage s Interpretation von einer Bachkomposition in einer Kirche in Halle a.d. Saale. Das Orgelstück dauert voraussichtlich ca. 600 Jahre, weil es, wie empfohlen, so langsam wie möglich gespielt wird). ,

In einem Produktionsprozess kann es sinnvoll sein sich zu beeilen, damit etwas „gut"
wird (z.B. beim Aquarellieren, beim Leimen, usw., da sonst das Medium nicht so weiter bearbeitet werden kann, wie man möchte ). Der Wert der Langsamkeit ist sich einlassen zu können, zu hören, zu schauen,und dem Gehim Gelegenheit zu Assoziationen zu geben. Jede Situation hat ihre eigene Zeit und Zeitbedarf. Künstlerische Leistung ist nicht als - Arbeit pro Zeit - zu definieren Kunst ist nur bedingt ein „Produkt". Es gibt sicher Schnittstellen, an denen man künstlerische Äußerungen vermarkten kann, aber der Ökonomiegedanke muss inhaltlicher Natur sein. Kriterien für Qualität sind nicht Aufwand und Preis, sondern die „Reinheit" und Konsequenz von Bild und Ausführung. Langsamkeit, im Sinne von Reife. Beim künstlerischen Schaffen ist mir persönlich nicht das Endprodukt das Wichtige, sondern der Prozess. Die „Kunstwerke sind nicht das Ziel meiner Arbeit, sie sind materialisierte Stationen eines Prozesses. So sind Kunstakademien auch keine Berufsbildungsanstalten, sondern PersönlichkeitsbildungshiIfen. Kunst ist erst einmal nutzlos, was nicht mit sinnlos verwechselt werden darf. Kunst ist zweckfrei, aber voller Sinn, was wiederum nützlich für eine Gesellschaft sein kann. "Sich Zeit nehmen", ist für mich nicht nur bei meiner Bildfindung, Ausarbeitung und Ausführung wichtig, sondern „Zeit", Rhythmus ist Gegenstand meiner Arbeit.